Belastungsspezifische Altersveränderungen

Nach dem 30. Lebensjahr gehen viele biologische Lebensfunktionen zurück, die die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit beeinflussen.

  • Die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems nimmt ca. 1% pro Jahr ab.
  • Die Kraft reduziert sich je nach Qualität und Quantität des Aktivitätsniveaus.
  • Die Beweglichkeit nimmt bei Männern stärker als bei Frauen ab.
  • Die Koordinationsfähigkeit und vor allem die Schnelligkeit reduzieren sich.
  • Die Steuerungs,-und Regulationsvorgänge zeigen Veränderungen.
  • Die Regulationsmechanismen des H-K-S und der Atmung erlahmen
  • die Adaptionsmechanismen verlangsamen sich und die Regenerationsfähigkeit ist reduziert

Diese globale Tendenz kann durch spezifische Reizsetzung in vielen Bereichen kompensiert oder zumindest verlangsamt werden.

 

Thermoregulation und körperliche Belastung

Muskuläre Arbeit erzeugt Wärme, die an die Umgebung abgegeben werden muss.
Bei leichter muskulärer Wärmeproduktion kommt es zur allmählichen Erwärmung der Körperschale, und von der Körperoberfläche wird die Wärme als Strahlung oder Konvektion abgegeben.
Bei großer Wärmeproduktion muss die Wärme aktiv durch das Blut an die Oberfläche transportiert werden welche als Hautrötung sichtbar wird.
Je mehr Wärme abgegeben werden muss, je geringer die Temperaturdifferenz zur Umgebung und je höher die Luftfeuchtigkeit, umso eher muss der Körper durch Schweißproduktion eine adäquate Wärmeableitung erreichen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und hoher Außentemperatur kann die Wärmeabgabe eine erhebliche Kreislaufbelastung darstellen.

Pressdruck

Der Pressdruck ist ein physikalisches Phänomen, das immer dann einsetzt, wenn mehr als
70-80% der individuellen Maximalkraft gefordert wird.
Dies gilt für alle statischen aber auch dynamischen Belastungsformen. Sinn des Pressdrucks ist die
Stabilisierung des Rumpfes.Der Pressdruck führt zu deutlichen Ondulationen des Blutdrucks mit zwei Druckspitzen während der Pressaktion und einer Druckspitze nach der Pressaktion. Für vorgeschädigte Gefäße ist dies eine bedenkenswerte Belastung. Starke Schwankungen im Schlagvolumen mit entsprechender Gegenregulation der Herzfrequenz können ebenfalls Probleme provozieren.

Kreislaufreaktion bei statischer Arbeit

Statische Arbeit mit mehr als 50-60% der individuellen Maximalkraft führt zu einem vollständigen Durchblutungsstopp der arbeitenden Muskulatur.
Der periphere Widerstand steigt an. Gleichzeitig wird durch den Sauerstoffmangel der arbeitenden Muskulatur das H-K-S angeregt, wenn auch nicht so deutlich wie bei dynamischer Arbeit.
Die Steigerung des Herzzeitvolumens bei gleichzeitig peripher erhöhtem Widerstand lässt bei statischer Arbeit den systolischen und diastolischen Druck ansteigen, und zwar umso höher, je größer die eingesetzte Muskelmasse und je länger die Haltearbeit ist.

Kreislaufreaktion bei dynamischer Belastung

Bei dynamischer Belastung kommt es zu einer deutlichen Steigerung des Herzzeitvolumens, parallel dazu nimmt der Abschlusswiderstand in der arbeitenden Muskulatur ab und zwar, vermittelt über lokale Mechanismen, nur in der arbeitenden Muskulatur. In der nicht-arbeitenden Muskulatur überwiegt die Vasokonstriktion, das heißt der Widerstand ist hoch.
Die Öffnung in der Peripherie kann jedoch nicht verhindern, dass der Druck im Herz-Kreislauf-System ansteigt. Dies betrifft vor allen Dingen den systolischen Wert, während der diastolische Wert sich nicht oder nur wenig verändert.

Belastungssteuerung durch die Pulsfrequenz

Es besteht eine lineare Beziehung zwischen Pulsfrequenz und Belastungsintensität.
Eine Ermittlung oder Steuerung der Intensität über die Pulsfrequenz ist daher prinzipiell möglich.
Es müssen jedoch einige Einschränkungen und Relativierungen bedacht werden:
die Beziehung zwischen Belastungsintensität und korrespondierender Pulsfrequenz ist individuell. Normative Anwendungen sind nur Grobanwendungen!

  • Es bestehen deutliche Unterschiede in Anhängigkeit von der Sportart.
  • Bei gleichen Intensitäten liegt die Pulsfrequenz bspw. beim Schwimmen niedriger als beim Laufen.
  • Die Pulsfrequenz gibt nur bei Dauerbelastung die Intensität adäquat wider.
  • Kraft-Dehnung-Koordinationsbeanspruchungen fordern das Herz- Kreislaufsystem nur wenig, die Pulsmessung ist hier ein inadäquater Parameter.

 

Steigerung der Pumpleistung des Herzens

Bei Belastung erfolgt über zentrale Mitinnervation und über Stimuli aus der Peripherie der arbeitenden Muskulatur eine Steigerung der Pumpleistung des Herzens. Dies geschieht auf der einen Seite über eine Steigerung der Herzfrequenz, die linear mit der Belastungsintensität ansteigt, zumindest bis in den Grenzbereich der Leistungsfähigkeit. Dort flacht die Kurve dann etwas ab.
Die Herzfrequenzsteigerung allein erklärt nicht die Größenordnung der Steigerung des Herzzeitvolumens. Es kommt zu einer Steigerung des Schlagvolumens um gut 50%.
Dies erfolgt jedoch nur zu Beginn der Belastung, im weiteren Verlauf bleibt das Schlagvolumen gleich.

Kreislaufreaktion unter Belastung

Sinn jeder Kreislaufreaktion auf Belastung ist möglichst lange möglichst viel Sauerstoff zur arbeitenden Muskulatur zu transportieren. Dabei hängt die Reaktion der Kreislaufkenngrößen
sehr von der Art der muskulären Arbeitsweise ab. Bei dynamischer Belastungsform steht die Volumenarbeit im Vordergrund, bei statischer Muskelarbeit die Druckarbeit.