Gesundheitspsychologie

Im Zuge des Wandels zu einem biopsychosozialen Verständnis von Krankheit und Gesundheit entwickelte sich die Gesundheitspsychologie zu einem bedeutenden Partner der traditionellen medizinischen Disziplinen.
Gesundheitspychologie stellt im Schnittpunkt von Psychologie und Pädagogik ein neues Arbeitsfeld dar und versteht sich als eine integrative wissenschaftliche Disziplin.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen das Verhalten, die Kognitionen, die Emotionen und Motivation
im Zusammenhang mit Gesundheitsförderung, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen.
Gesundheitspsychologie ist ein wissenschaftlicher und pädagogischer Beitrag der Psychologie zur:
•    Förderung und Erhaltung von Gesundheit
•    Verhütung und Behandlung von Krankheiten
•    Bestimmung von Risikoverhaltensweisen
•    Diagnose und Ursachenbestimmung von gesundheitlichen Störungen
•    Rehabilitation
•    Verbesserung des Systems gesundheitlicher Versorgung

Gesundheitspsychologische Ansätze sind vor allem dann sinnvoll zu integrieren, wenn es um die Analyse der Faktoren geht, die die Aufnahme und Beibehaltung von regelmäßiger körperlicher Aktivität aus gesundheitlichen Gründen steuern.
Eine bloße Darstellung der für eine theoretische Fundierung der Sporttherapie wichtigen gesundheitspsychologischen Ansätze reicht sicher nicht aus, um eine ausreichende Orientierung für das konkrete therapeutische Handeln zu liefern.
So besteht Bedarf an einem integrativen Modell, mit dessen Hilfe sowohl die verschiedenen Wirkungszusammenhänge genauer beschrieben als auch methodische Leitlinien entwickelt werden können.
Für eine umfassende Erörterung des komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren auf das Ausmaß körperlicher Aktivität eignet sich das gesundheitspsychologische Modell der
„Theory of Reasoned  Action“. Dabei wird davon ausgegangen,

dass Gesundheitsverhalten von normativen und verhaltenssteuernden Überzeugungen
geprägt wird. Diese werden ihrerseits gebildet aus der individuellen Einstellung gegenüber dem fraglichen Verhalten und der Wahrnehmung dessen, was wichtige Bezugspersonen über dieses
Verhalten denken.
Darüberhinaus kann das konkrete Verhalten auch direkt von der wahrgenommenen Kontrollierbarkeit beeinflußt werden.
Das „Health -Belief-Modell“ thematisiert den Prozess der Abwägungen von Informationen, die dazu führen sich dem Gesundheitsverhalten zu – oder abzuwenden.
Die in diesem Zusammenhang bedeutsamen vier Hauptdimensionen der
•    wahrgenommenen Bedrohung
•    der Schwere der Erkrankung
•    des wahrgenommenen Nutzens
•    der bestehenden Barrieren zur Nutzung von rehabilitativen Möglichkeiten
eignen sich in besonderer Weise, um die aus Patientensicht handlungsleitenden Faktoren
der Sporttherapie abzubilden.

Die wahrgenommene Selbstwirksamkeit beeinflusst das Verhalten von Personen in verschiedenen
Situationen. Sie hat Einfluss darauf,
– ob eine Aufgabe in Angriff genommen wird
•    bei welchem Schwierigkeitsgrad aufgegeben wird
•    ob die Aufgabe erfolgreich bewältigt wird
Die Selbstwirksamskeitserwartung hat sich als wesentliches Moment für sportliche Aktivitäten erwiesen.
Erst die Erwartung, durch die eigene Aktivität positive Veränderungen in wichtigen Bereichen erzielen zu können, lässt aus Einsicht und Überzeugung tatsächliches Handeln werden.
Das sozialpsychologische Modell der Kontrollüberzeugungen hat auch in der Gesundheitsförderung Resonanz gefunden. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden,
dass internale Kontrollüberzeugungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich Menschen „gesünder“ verhalten, da sie sich selbst für ihre Gesundheit verantwortlich fühlen.
In Bezug auf Bewegungsprogramme könnte ein Vorgehen, welches sich auf dieses Modell stützt,
anstreben, gesundheitsbezogene Kontrollüberzeugungen mit Hilfe von Bewegungsprogrammen zu modifizieren.
Einer solchen Einstellungsänderung käme im Hinblick auf gesundheitsorientiertes Verhalten eine Schlüsselfunktion zu.
Personen, die sich gesundheitsorientierter Bewegung zuwenden weisen bereits ein hohes Ausmaß an internaler Kontrolle auf, deshalb erweist sich das Ausmaß der internalen Kontrolle als sehr
veränderungsstabil.
Eine Reihe von immanenten Interventionsaspekten tragen dazu bei, ein längerfristiges Sportengagement zu steuern.
•    präzise Formulierung von Zielen
•    Identifikation von möglichen Barrieren zu langfristigen Umsetzung
•    Entwicklung von Strategien zur langfristigen Unterstützung durch Freunde und Familie
•    stufenweiser Aufbau von Kompetenzen im Sinne der Erfahrung von Selbstwirksamkeit.
Die genannten Elemente scheinen in hohem Maß geeignet, die didaktisch-methodischen Überlegungen zur Sporttherapie im Sinne der genannten gesundheitspsychologischen Ansätze zu optimieren.. Sie spielen daher auch für die pädagogische Dimension der Sporttherapie eine bedeutende Rolle.

Subjektive Wahrnehmung von Effekten der Sporttherapie:
Für Fragstellungen, bei denen es darum geht, die Vielfalt möglicher wahrgenommener Effekte und Wirkmechanismen zu reduzieren, werden faktorenanalytische Verfahren eingesetzt.
Das Ziel besteht darin, Beziehungsgefüge der komplexen Zusammenhänge zu entflechten.
Faktor 1: Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Kontrolle
Faktor 2: Erfahrung von Alltagsrelevanz /pragmatische Bewährung
Faktor 3: soziale Unterstützung
Faktor 4 : Wohlbefinden und/ durch Körperkontrolle
Faktor 5 : Erfahrung von Leistungsfähigkeit